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Refresh by breathing!

in Mikroskopie 22.02.2021 17:56
von witweb | 681 Beiträge

Hallo,

ich denke mal, Polfotos von Mikrokristallen werden in diesem Unterforum in Zukunft wohl eine gewisse Rolle spielen.

Deshalb ein Tipp für alle, die die Präparate selbst herstellen.

Es ist ja so, wer sich mit Mikrokristallen beschäftigt, hat sicher schon festgestellt, dass manche Kristalle sich mit der Zeit verändern. Ich meine hier nicht das Auskristallisieren an sich, sondern später, wenn ein stabiler Zustand erreicht ist. Das denkt man jedenfalls. Aber, so im Zeitraum von einigen Minuten, eher Stunden oder Tagen verändert sich das Aussehen teilweise drastisch. Das gilt vor allem für Kristalle, die ohne Deckglas entstanden sind. Nicht bei allen Substanzen, aber bei vielen. Dabei werden die Kristalle oft unansehnlich, geradezu hässlich. Wie ein frischer, knackiger Salat, der ein paar Tage rumliegt. Er sieht zwar immer noch irgendwie grün aus, aber es gibt Flecken, schrumpelige Stellen...

Das Bild zeigt eine Aufnahme von Kristallen in diesem bedauernswerten Zustand.




Aber es gibt Abhilfe! Man nimmt den Objektträger vorsichtig in die Hand und haucht ihn mehrmals leicht an. Wie oft und wie stark? Kommt darauf an! Im vorliegenden Fall habe ich drei mal gehaucht, etwa so stark, wie, wenn man ein Brillenglas putzen will und keines dieser tollen Brillenputztücher verwenden kann (oder will) und auch kein Mikrofasertuch zur Hand hat. Dann zählt man langsam bis zehn und legt den Objektträger wieder unters Mikroskop.

Täterätätä! Refresh by breathing!

Hier ist das das Ergebnis. Mit ein bisschen Übung geht das noch besser.




Diese Vorgehensweise kann man noch ausbauen.
Es gibt ein Phänomen, was in der Fachwelt als Selektives Weghauchen bezeichnet wird. Spässle.

Wenn man aus Bequemlichkeit, oder anderen Gründen zwei oder mehr Substanzen direkt auf einem Objektträger in ein paar Tropfen Wasser auflöst, kann es passieren, dass diese sich nicht vollständig vermischen. Schaut man sich das Ergebnis dann unter dem Polmikroskop an, sieht man sofort, dass die Mikrokristalle, obwohl nebeneinander liegend, verschiedener Herkunft sind.

Im Bild die runden und die eckigen:




Hier kommt das selektive Weghauchen ins Spiel. Die Vorgehensweise ist die gleiche, wie oben beschrieben, nur dass man einen Hauch vorsichtiger sein muss, am besten den Fortschritt immer mal unter dem Mikroskop prüfen. Dann kann man erreichen, das sich die einen Kristalle vollständig auflösen, die anderen jedoch noch fast ohne Beeinträchtigung zu sehen sind:




Leider kann man bei diesem Verfahren nicht auswählen, welche Kristalle verschwinden und welche erhalten bleiben sollen. Man kann halt nicht alles haben!
Und noch was, das in dieser nüchternen Form beschriebene Verfahren eignet sich nur für Substanzen, die wasserlöslich sind.
Ich denke aber, für die, die sich in Alkohol lösen, gibt es auch Wege...

Viele Grüße

Michael

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