#1

Fluoreszierende Micromounts

in Stacking: Mineralien, Gesteine, Foraminiferen und Fossilien 29.03.2021 18:11
von witweb | 679 Beiträge

Hallo zusammen,

vor einigen Jahren habe ich schon einmal Micromounts fotografiert. Die Älteren unter uns erinnern sich noch...
Allerdings damals mit Makro-Equipment und im normalen Licht. Jetzt, mit der Möglichkeit, Fluoreszenz zu beobachten und zu fotografieren, habe ich mich wieder an die Micromounts erinnert und hinsichtlich der Fluoreszenzeigenschaften unter die Lupe genommen. Meine kleine Sammlung (ca. 30 Stück) hatte ich damals ausschließlich hinsichtlich “fotogener” Motive ausgewählt und ansonsten keinen Plan verfolgt.
Also alle MMs unter das Mikroskop gelegt und geschaut, wo Fluoreszenz auftritt.
Da ich im Moment nur Blauanregung realisieren kann, werde ich diesen Vorgang wohl mit UV noch einmal machen, wenn ich technisch soweit bin.

Als erste MMs, die unübersehbar fluoreszierten, habe ich Zeunerit, Tangdanit und Calcit ausgemacht, von denen ich auch die Fotos gemacht habe.
Natürlich habe ich im Vorfeld versucht, über Mineralienatlas.de oder Mindat.org herauszufinden, was ich zu erwarten hätte. Beim Zeunerit war zumindest grüne Fluoreszenz angegeben, beim Tangdanit waren keine Fluoreszenzerscheinungen vermerkt. Die gelbliche Fluoreszenz beim Calict ist wohl auch relativ selten. Allerdings hatte ich mir das MM-Stüfchen wegen des Azurits gekauft. Das Calcit war das Begleitmineral.
Außerdem soll Zeunerit wegen des enthaltenen Urans strahlen. Na ja, mein Stüfchen ist schon sehr klein, und ich hoffe auf eine geringe Halbwertszeit...

Wie dem auch sei, hier sind meine ersten Aufnahmen.

Kamera EOS 750D
Mikroskop Zeiss Standard mit Fluoreszenz-Auflichtkondensor

Bild 1: Zeunerit, Blauanregung, Bildbreite=1,75 mm , Stack mit 58 Aufnahmen
Bild 2: Calcit, Blauanregung, Bildbreite=1,0 mm, Stack mit 63 Aufnahmen
Bild 3: Tangdanit, Blauanregung, Bildbreite=0,7 mm , Stack mit 96 Aufnahmen

Viel Spaß beim Anschauen!

Michael





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#2

RE: Fluoreszierende Micromounts

in Stacking: Mineralien, Gesteine, Foraminiferen und Fossilien 31.03.2021 21:59
von gogs | 216 Beiträge

Hallo Michael,
deine Bilder gefallen mir gut, vielen Dank.
Micromount-Aufnahmen interessieren mich mittlerweile auch.
Was bedeutet bitte Blauanregung, Licht oder Filter mit 400-450nm ?
mit freundlichen Grüßen
Christian

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#3

RE: Fluoreszierende Micromounts

in Stacking: Mineralien, Gesteine, Foraminiferen und Fossilien 31.03.2021 23:02
von RheinweibAdministratorin | 3.725 Beiträge

Danke Christian, das hab ich nämlich auch nicht kapiert, aber Michael wird uns sicher bald schlauer machen.

LG
Heike


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Das ganze Leben ist wie ein Adventskalender, hinter jedem Türchen wartet etwas auf seine Entdeckung
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#4

RE: Fluoreszierende Micromounts

in Stacking: Mineralien, Gesteine, Foraminiferen und Fossilien 01.04.2021 17:08
von witweb | 679 Beiträge

Hallo Heike und Christian,

ja Christian, geht schon in die Richtung.

Fluoreszenz lässt sich vereinfacht so erklären: Durch Anregen eines Objektes mit Licht einer bestimmten Wellenlänge strahlt das Objekt Licht einer anderen Wellenlänge ab. Dabei ist die abgestrahlte Wellenlänge größer, als die des anregenden Lichts. So leuchtet das grüne Chlorophyll in Blättern, wenn es z.B. mit blauem Licht angestrahlt wird, rot (siehe Bild unten von einem Kresseblättchen).
Wenn wir uns nun die Dinge im sichtbaren Licht anschauen oder fotografieren wollen, muss also die anregende Strahlung kürzere Wellenlängen haben, als das sichtbare Licht. Das wäre, also grob gesagt, ultraviolette Strahlung. Es geht aber auch Blau, das dann zu grüner, gelber oder roter Fluoreszenz führen kann. Ein Bild zu den Wellenlängen und Farben findet ihr u.a. hier: Elektromagnetisches Spektrum.

Welches Licht man für die Anregung verwendet, hängt nun davon ab, welche Objekte man untersuchen möchte, aber schlicht auch davon, was für eine Lichtquelle und Filter man man hat.
Traditionell wurden in der Mikroskopie Quecksilberdampflampen, Halogen- oder Xenon-Lampen verwendet, die aber eine Reihe von Problemen mit sich bringen. Deshalb ist man zunehmend auf LED umgestiegen, als diese, mit entsprechender Leistung, verfügbar wurden.

Zurück zur Blauanregung. Ich verwende eine LED, die blaues Licht der Wellenlänge von 467 nm erzeugt. Dieses wird durch einen Strahlteiler auf mein Objekt geleitet. Das dann durch Fluoreszenz abgestrahlte Licht gelangt nun durch ein Filter, welches die blaue Strahlung vom Auge bzw. der Kamera fernhält. Vereinfacht gesagt.
Hier ist das Schema eines Epifluoreszenzmikroskops

Mein Aufbau ist im Bild unten zu sehen. Im Moment arbeite ich daran, auch UV-Licht verwenden zu können, was die Möglichkeiten nochmal deutlich erweitert.

Ich habe noch ein Bild vom Tangdanit gefunden, aufgenommen im normalen Licht. Sieht eigentlich auch nicht schlecht aus...

Beste Grüße

Michael





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#5

RE: Fluoreszierende Micromounts

in Stacking: Mineralien, Gesteine, Foraminiferen und Fossilien 01.04.2021 18:57
von gogs | 216 Beiträge

Hallo Michael,
recht herzlichen Dank für deine Mühe, die Erklärung gefällt mir sehr gut.
Die ganze Thematik finde ich nicht nur sehr interessant sondern auch schön.
Ja dein Tangdanit ist eine wahre Schönheit, musste erst "googlen" hatte das Wort nie gehört und
habe nur oberflächliche begrenzte Mineralienkenntnisse.
Vielen Dank Christian

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#6

RE: Fluoreszierende Micromounts

in Stacking: Mineralien, Gesteine, Foraminiferen und Fossilien 01.04.2021 19:23
von witweb | 679 Beiträge

Hallo Christian,
ich bin auch kein Experte auf dem Gebiet. Mir geht es eher um interessante Fotos. Zwar habe ich schon mal im Schwarzwald Mineralien gesucht (Grube Clara), aber ansonsten bestelle ich die Micromounts gelegentlich im Internet. Und mit der Fluoreszenzmikroskopie erschließen sich nun neue Möglichkeiten, wobei mich da auch die Technik interessiert.
Beste Grüße
Michael

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