#1

Wissenschaftliche Aufnahme einer Spinne

in Stacking: Flora und Fauna 08.10.2017 10:47
von Jürgen | 80 Beiträge

Servus,
nach der Erntezeit hab ich wieder etwas Luft um meinen Hobbys nachzugehen.
Hier möchte ich euch eine kleine Serie zeigen, die eine Kugelspinne zeigt. Zur Bestimmung solch kleiner unscheinbarer Arten muss man die Geschlechtsteile unter den Arten vergleichen, damit man bis auf Artniveau kommt.
Nun zwei Fragen an die Profis.
1) meine neue Eos M3 macht mir freude, ist jetzt fest auf meinem Olympus-Mikroskop befestigt und macht meiner Meinung nach bessere Fotos damit wie die Kombi D300-Mikroskop.
Aber... bei Einzelbildern kann ich die Bilddateien in Photoshop nicht öffnen, wenn ich sie gestapelt sofort in Helicon einpflege, klappt es?
Liegt das an meinem veralteten Programm? Bei der D300 und D5300 von Nikon habe ich hier keine Probleme, die Dateien können gelesen werden.
Brauche ich ein Update?
2) das Übersichtbild der Spinne entstand am Novex-Bino mit der D300 ohne Blitz nur mit zwei Jansös und einem Stapel von 8 Bildern. Das Foto entstand in einem Glas-Blockschälchen mit 75 % Alkohollösung. Diese Vorgehensweise ist aktuell Standard in der "Bestimmungsfotografie". Könnte man diese Methode verbessern? Mehr Stacks, andere Flüssigkeit? Trockenstacks werden von den Wissenschaftlern nicht so gerne gesehen, warum kann ich auch nicht sagen.
Bild 2 und 3 zeigt die Epigyne bzw. Vulva der Spinne, sprich das ist das herausoperierte Geschlechtsteil der Dame. Epigyne ist die von aussen sichtbare Variante, Vulva ist die Innenseite. Das ist eine ziemlich knifflige Sache, diese Teile rauszuoperieren, ohne das man sie zerstört.
Wenn man bedenkt, dass dieses Tier ca. 3 mm groß ist.
Die Epigyne wird daraufhin auf einen Objktträger plaziert und mich Milchsäure beträufelt, dies bewirkt,dass sich die fleischlichen Bestandteile auflösen und nur noch die sklerotisierten Teile übrig bleiben, sprich Mazeration. Somit wird die eigentliche Anatomie sichtbar und man kann die einzelnen Arten trennen. Diese Methode funktioniert natürlich nur bei reifen Tieren, da bei subadulten bzw. Jungtieren die Genitalien noch nicht ausgebildet sind.
So jetzt wieder eine Frage zur Aufnahmegestaltung.
Diese Bilder habe ich unter einem Olympus-Mikroskop mit einem M10 0,25 Original Olympusopjektiv aufgenommen.
Bild 2 mit 23 Stacks
Bild 3 mit 19 Stacks im Milchsäurebad.
Nach diesen ersten Aufnahmen überführe ich die Epigyne dann meistens auf einen frischen Objktträger und schließe sie unter einem Deckglas in Euparal ein. Nach der Trocknungsphase ergibt es schon klarere Bilder, nur dauert dieser Prozet eine zeitlang und die wissenschafltiche Bestimmung der Tiere zögert sich dadurch hinaus.
Meint ihr, dass die Qualität durch mehr Stackschritte erhöht werden kann, oder ist prinzipiell eine andere Vorgehensweise sinnvoll?

Mir ist bewusst, dass meine Fragestellungen und Arbeitstechniken hier manches Kopfschütteln auslösen werden, jedoch ist dies in der Arachnologie momentan gängige Praxis.
Vielleicht können wir ja gemeinsam auf diesem Wege eine andere/bessere Arbeitsmethode entwickeln?
Um Rücmeldungen würden ich mich hier sehr freuen.
Die Aufnahmen sind jetzt nicht 1200 x ... groß sondern nur 800x .. da im Spinnenforum nur diese Größe akzeptiert wird.

Grüße Jürgen


zuletzt bearbeitet 08.10.2017 11:18 | nach oben springen

#2

RE: Wissenschaftliche Aufnahme einer Spinne

in Stacking: Flora und Fauna 08.10.2017 11:21
von Adalbert | 2.799 Beiträge

Hallo Jürgen,

Zitat
“Einzelbildern kann ich die Bilddateien in Photoshop nicht öffnen“


Wahrscheinlich hast Du eine alte Version von PS mit einem alten Camera-RAW.
Wenn Du die CR2-Dateien mit Deiner PS-Version bearbeiten möchtest, musst Du zuerst die CR2 in DNG umwandeln.
Das geht mit dem kostenlosen „Adobe DNG Converter“. DNG-Dateien können mit jeder Version von PS geöffnet werden.



Zitat
”Methode verbessern? Mehr Stacks“


Bei der Apertur 0.25 beträgt die Schärfentiefe 0,0088mm.
Wenn Du 3 Fotos pro Schärfentiefe machen möchtest, dann soll der Schritt 0,0029mm betragen.

Gruß,
ADi

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#3

RE: Wissenschaftliche Aufnahme einer Spinne

in Stacking: Flora und Fauna 08.10.2017 11:22
von RheinweibAdministratorin | 1.843 Beiträge

Zitat von Jürgen im Beitrag #1
Aber... bei Einzelbildern kann ich die Bilddateien in Photoshop nicht öffnen, wenn ich sie gestapelt sofort in Helicon einpflege, klappt es?
Liegt das an meinem veralteten Programm? Bei der D300 und D5300 von Nikon habe ich hier keine Probleme, die Dateien können gelesen werden.
Brauche ich ein Update?



Hallo Jürgen,
ja Du brauchst ein Update, ich musste wegen der 70D Camera Raw auch updaten, die ließen sich
ebenfalls nicht mehr öffnen, obwohl die Dateiendung die gleiche ist, wie bei älteren Modellen.

Edit:...........Adi war schneller........ja, oder in PNGs umwandeln, aber ein Update ist wohl sinnvoller.

LG
Heike


_______________________________________________________

Gute Fotografen machen gute Bilder; sie können das auch mit schlechten Kameras.
Schlechte Fotografen machen schlechte Bilder, sie können das auch mit guten Kameras.
_______________________________________________________
Makrofotografie-Online
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zuletzt bearbeitet 08.10.2017 11:24 | nach oben springen

#4

RE: Wissenschaftliche Aufnahme einer Spinne

in Stacking: Flora und Fauna 08.10.2017 11:28
von Adalbert | 2.799 Beiträge

Hallo Heike,
bei manchen Versionen ist kein Update möglich.
Das macht Adobe so, damit man eine neue Version von PS kauft (bzw. noch schlimmer mietet :-)
Danke und Gruß,
ADi

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#5

RE: Wissenschaftliche Aufnahme einer Spinne

in Stacking: Flora und Fauna 08.10.2017 18:48
von stekki | 1.341 Beiträge

Dafür gibt es RAW-Converter. Ich verwende Capture One Pro.


VG Ekkehard

Canon / Sony / Panasonic / Xiaomi und andere
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#6

RE: Wissenschaftliche Aufnahme einer Spinne

in Stacking: Flora und Fauna 09.10.2017 10:23
von KurtCo-Admin | 1.140 Beiträge

Hallo Jürgen

Wenn auch sehr fremd, dann doch nicht weniger interessant.
Wie hast du die Geschlechtsorgane beleuchtet?
Eine Möglichkeit ist, mit Durch- und Auflicht zu arbeiten, eventuell seitliches Auflicht (ergibt eine leichte Schattenbildung).
Mehrere Stacks mit Auflicht aus unterschiedlicher Richtung, miteinander zu einem Bild kombinieren.

Ein Objektiv mit höherer Apertur (0.3) ergibt eine höhere Auflösung, doch ist dadurch oft der freie Arbeitsabstand etwas geringer,
was sich in der Auflicht Beleuchtung oft als negativ äussert.
In deinem Falle, könnte aber seitliches "Streiflicht" dienlich sein.

Kurt


__________________________________________________________________________
Ein besseres Bild, ist das Produkt vieler kleinen Optimierungen, die man einzeln oft nicht sieht.
www.focus-stacking.com
www.focus-stacking.ch/Focus_Stacking_PDF.pdf
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#7

RE: Wissenschaftliche Aufnahme einer Spinne

in Stacking: Flora und Fauna 10.10.2017 12:49
von Jürgen | 80 Beiträge

Danke für eure Rückmeldungen, das Update werde ich bei Gelegenheit durchführen.
@Kurt,
vor dem Erwerb der EOS M3 hatte ich meine D300 am Mikroskop adaptiert und mit einem SB 910 geblitzt, meistens schräg von der Seite, zum fokusieren verwende ich 2 Jansös, die beim fotografieren auch noch mitbeleuchten.
Seit ich die EOS M3 habe, benutze ich als Durchlichteinheit eine runde LED-Panele, die unter das Mikroskop geklemmt wurde. Ich besitze (noch) keinen externen Blitz zur neuen Kamera. Die Bilder sind aber meiner Meinung nach besser als die geblitzten mit der Nikon. Wahrscheinlich wirkt sich hier der nicht vorhandene Spiegelschlag positiv auf das Ergebnis aus.
Die nichtvorhanden 3-dimensionale Abbildung ist ein Problem, denn manche Präparate sind durchaus dreidimensional aufgebaut.
Dein Tip mit den unterschiedlichen Belichtungseinstellungen werde ich mal ausprobieren.
Könnt ihr mir ein Blitzsystem für die EOS M3 empfehlen?
Und welches Objektiv wäre für diese Art von Fotografie am sinnigsten?

Dankeschön und Grüße
Jürgen


zuletzt bearbeitet 10.10.2017 12:52 | nach oben springen

#8

RE: Wissenschaftliche Aufnahme einer Spinne

in Stacking: Flora und Fauna 10.10.2017 17:44
von Adalbert | 2.799 Beiträge

Hallo Jürgen,

Zitat
„Könnt ihr mir ein Blitzsystem für die EOS M3 empfehlen?“


Zu Stacken reichen die manuellen Yongnuos.
Ich verwende die YN660. Wenn Du auf den ersten Vorhang blitzen möchtest, dann reicht der Transceiver RF605C, mit dem Du alle Blitze gleichzeitig per Funk auslösen kannst.
Wenn Du auf den zweiten Vorhang blitzen möchtest (was bei der M3 nicht nötig ist, weil der Verschluss elektronisch geöffnet wird), dann must Du den Transceiver YN622C verwenden.
Du kannst aber die YNs natürlich über S1 (optisch als Slaves) auslösen.

Zitat
“Und welches Objektiv wäre für diese Art von Fotografie am sinnigsten?“


Ich würde Dir das CZJ 6,3 (sog. Semiplan) und APO Rodagon 50 N empfehlen.

Danke und Gruß,
ADi

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